Donnerstag 10.02.2011, ab 20:00 Uhr

Stadt – Land – Rechts, Brauner Alltag in der deutschen Provinz, Karl Dietz Verlag Berlin 2010
Vortrag und Diskussion mit Fritz Burschel (Hrsg.)

Ein Professionalisierungsschub bei der NPD (als einziger noch relevanter Partei der extremen Rechten) seit etwa 6 Jahren infolge eines Zusammenwachsens mit den sog. Freien Kameradschaften stellt antifaschistische und zivilgesellschaftliche Arbeit und Analyse vor ganz neue Aufgaben, zumal in strukturschwachen und eher provinziell-ländlichen Gegenden. Der „moderne Nazi“ tritt uns heute eher als smarte/r kommunale/r Akteur/in entgegen denn als der klassische, besoffene Nazi-Skin, dessen Verschwinden wir indes ebenfalls nicht feiern dürfen.
Im ländlichen Bereich vollzog sich diese Metamorphose von randständiger Gruppierung ohne großartige Wirkmacht hin zu einer Normalisierung im Alltag besonders ungehemmt. Neonazis haben mit einer Art „brauner“ Graswurzelstrategie soziale Netzwerke aufgebaut, die alle Bereiche des Lebens umfassen: sie engagieren sich im örtlichen Vereinsleben, übernehmen Ehrenämter, wirken an öffentlichen Veranstaltungen, in Bürgerinitiativen und an kommunalen Projekten mit, organisieren Kinder- und Jugendarbeit, bringen sich in Elternbeirat und Kindergartenvorstand ein und tragen zum kulturellen Leben bei.
Kernthese des Buches „Stadt – Land – Rechts“ ist es jedoch, dass die organisierte extreme Rechte personell gar nicht in der Lage sei, flächendeckend für braune Unkultur auf kommunaler Ebene zu sorgen. In vielen eher ländlichen Gemeinwesen herrscht indes trotzdem ein „brauner Alltag“, viele kommunale Politiker_innen und Akteur_innen machen die Anwesenheit einer Kameradschaft überflüssig.

Hinweis: Angehörige der rechten Szene sind ausdrücklich nicht eingeladen. Der Veranstalter wird das durchsetzen und vom Hausrecht Gebrauch machen.

Veranstalter: Kulturladen Westend, a.i.d.a. eV und Ligsalz8 e.V.

Im Anschluss gibt’s noch Aktuelles zu den Blokaden in Dresden am 19.02.2011