141001_umkämpfte ErinnerungSamstag, 01.10.2014
19 Uhr Salvadorianisches Essen
20 Uhr Vortrag, Diskussion & Musik

Die lange Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit in El Salvador.

Die Gesellschaft des kleinen zentralamerikanischen Landes El Salvador ist tief gespalten. Der zwölfjährige Bürgerkrieg wurde 1992 beendet – die Wunden sind bis heute keineswegs verheilt. Angehörige, Opferkomitees und die Basis der früheren Guerilla (und heutigen Regierungspartei) FMLN ringen seit zwei Jahrzehnten um Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Sie recherchieren, errichten Gedenkstätten und kommen zu den Jahrestagen der Massaker in El Mozote, am Río Sumpul und an vielen weiteren Orten, an denen Streit- und Sicherheitskräfte Tausende ermordeten. Armee und Veteranenverbände wiederum lassen keine Zweifel aufkommen: Sie sind bis heute der Meinung, mit dem „Kampf gegen den Kommunismus“ das Vaterland gerettet zu haben. Der amtierende Verteidigungsminister General David Munguía Payés schützt Ex- Militärs, die per Interpol-Haftbefehl gesucht werden, vor der Auslieferung an die spanische Justiz. Und die Militärarchive, in denen zahllose Menschenrechts- und Kriegsverbrechen dokumentiert sind, sind bis heute unter Verschluss. Die Straflosigkeit für beide Kriegsparteien ist nahezu vollständig.

Die beiden Referent_innen aus El Salvador haben den Bürgerkrieg selbst miterlebt. Auf ihrer Rundreise durch Deutschland erzählen sie über ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, berichten aber auch über den Kampf um die „offizielle Geschichte“ und diskutieren mit uns darüber, was Erinnerung für die weiterhin von Armut und Gewalt geprägte Gegenwart ihres Landes bedeutet.

Margarita Zamora aus der Provinz Chalatenango sucht bis heute nach ihren vier verschleppten Geschwistern. Seit elf Jahren arbeitet sie bei der Asociación Pro Búsqueda de Niñas y Niños Desaparecidos, der Organisation, die nach den im Krieg entführten und verschwundenen Kindern forscht, von denen ein Teil auch ins Ausland zur Adoption gegeben wurde.

Chiyo (Lucio Vásquez) flüchtete als Achtjähriger in ein improvisiertes Schul-Camp der Guerilla, nachdem seine Mutter und eine seiner Schwestern in Morazán umgebracht worden waren. Er wurde Funker, Mitarbeiter bei Radio Venceremos und Kämpfer. Seine Lebensgeschichte hat er in dem Buch „Siete gorriones“ aufgeschrieben. Heute arbeitet er beim Museo de la Palabra y la Imagén (MUPI) in San Salvador.

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