Donnerstag 27.01.2011, ab 20:00 Uhr

Der Charakter des Münchner Westends hat sich im Verlauf der letzten Jahre deutlich verändert – das Viertel wird aufgewertet. In allen Münchner Zeitungen sind Artikel erschienen, in denen der Imagewandel vom Abeiter_innen- und Migrant_innenviertel hin zum Trendviertel ausgemacht wird. Besserverdienende prägen das Westend mehr und mehr. Seit Jahrzehnten erfolgen massive Investionen ins Viertel seitens der Stadt München. Nach der Restrukturierung des alten Messegeländes befinden sich hier nun ein großer Shoppingbereich, teure Buröflächen und Wohnraum, dessen Preisniveau deutlich über dem des restlichen Viertels steht.
Überall in der Schwanthalerhöhe enstehen neue Läden und Geschäfte, die sich fast ausschließlich an Kundschaft aus der Mittelklasse richten. Auch die Wohnungssuche nach günstigem Wohnraum gestaltet sich zunehmend schwieriger. Das Westen, das jahrzehntelang den Ruf des Arbeiter_innen- und Migrant_innenviertels innehatte, ist „interessant“ geworden.
Der Vortrag beginnt mit einer tiefergehenden Analyse dieses Prozess des sozialen Wandels und der Vertreibung. Die Gewichtung hierbei liegt auf Theorien über Gentrification, die deren Ursächlichkeit in den Dynamiken des kapitalistischen Immobilienmarktes sehen. Sowohl innerhalb akademischer Debatten als auch auf Seiten von Gegenaktivist_innen sind oftmals Ansätze vorherrschend, die Gentrification fast ausschließlich auf veränderte Konsumverhaltensweisen seitens der Mittel- oder Oberschicht zurückführen. Im theoretischen Teil des Vortrags sollen solche Ansätze kritisiert und inhaltlich ergänzt werden. Im Anschluss folgt eine Beschreibung des Gentrificationprozesses im Westend mit dem Fokus auf die jüngere Vergangenheit.
Am Ende wird es Diskussionsraum für die – insbesondere in München – offene Frage nach Handlungsansätze gegen Gentrification geben.